Von der Ehe

Aus Wiki.comanitas.com
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jung gefreit ... 30.09.1967

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das ist die rechte Ehe, / wo zweie sind gemeint, / durch alles Glück und Wehe / zu pilgern treu vereint: / Der eine Stab des andern / und liebe Last zugleich, / gemeinsam Rast und Wandern / und Ziel das Himmelreich.

Leitgedanken

  • Im Ehestand muß man sich manchmal streiten, denn dadurch erfährt man was voneinander. Johann Wolfgang von Goethe
  • Heiratet auf jeden Fall! Kriegt ihr eine gute Frau, dann werdet ihr glücklich. Ist es eine schlechte, dann werdet ihr Philosophen, und auch das ist für einen Mann von Nutzen. Sokrates
  • Wenn trübe Tage kommen wollen, wenn Fehler an dem einen, an dem andern, an beiden ausbrechen, so denket nicht an Ungesell, daß ihr unglücklich seiet, sondern an den lieben Gott, der alle diese Fehler schon lange gekannt und euch eben deswegen zusammengebracht, damit eins das andere heile, ihm von seinen Fehlern helfe; das ist Zweck und Aufgabe eures Zusammenkommens. Jeremias Gotthelf
  • Der Mensch ist von Anfang an auf einen anderen hin entworfen, der ihn erst zu sich selber kommen lässt. Hier kommt das zutiefst personale, aber unbegreifbare Du Gottes ins Spiel. Romano Guardini
  • Das Du begegnet mir von Gnaden - durch Suchen wird es nicht gefunden. Martin Buber
  • Das Wichtigste, was ein Vater für seine Kinder tun kann ist, ihre Mutter zu lieben. Theodore Hesburgh
  • Das Weib wird durch die Ehe frei, der Mann verliert dadurch seine Freiheit. Immanuel Kant
  • Deine Quelle sei gesegnet, erfreue dich an der Frau deiner Jugend. Sprüche 5,18
  • Der Mann ist der Herr des Hauses. Im Hause soll aber nur die Frau herrschen. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
  • Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar. Friedrich von Schiller
  • Mann und Weib und Weib und Mann / Reichen an die Gottheit an. Zauberflöte
  • Wenn der Mann das Amt hat und die Frau den Verstand, dann gibt es eine gute Ehe. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Und diese menschlichere Liebe (die unendlich rücksichtsvoll und leise, und gut und klar in Binden und Lösen sich vollziehen wird) wird jener ähneln, die wir ringend und mühsam vorbereiten, der Liebe, die darin besteht, daß zwei Einsamkeiten einander schützen, grenzen und grüßen. Rainer Maria Rilke
  • Auch Einrichtungen des sogenannten persönlichen Lebens können nicht aus dem freien Gefühl erneuert werden (wiewohl freilich nicht ohne es). Die Ehe etwa wird sich nie aus etwas andrem erneuern, als woraus allzeit die wahre Ehe entsteht: daß zwei Menschen einander das Du offenbaren. Daraus baut das Du, das keinem von beiden Ich ist, die Ehe auf. Dies ist das metaphysische und metapsychische Faktum der Liebe, das von den Liebesgefühlen nur begleitet wird. Martin Buber
  • Liebe besteht nicht darin, dass man einander anschaut, sondern dass man gemeinsam in dieselbe Richtung blickt. Antoine de Saint-Exupery

Sonstige

Eure Kinder

... sind nicht eure Kinder.

Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch, Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, Denn sie haben ihre eigenen Gedanken. Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen, Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen. Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen. Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern. Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden. Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen. Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein; Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Was wirkliche Liebe ist

In einer der chassidischen Geschichten, die Martin Buber aufgezeichnet hat, heißt es: "Was wirkliche Liebe ist, das ist mir am Gespräch zweier Landleute aufgegangen. ‚Freund Iwan, liebst du mich? - Natürlich, du weißt doch, dass ich dich liebe! - Weißt du auch, was mir weh tut? - Wie kann ich wissen, was dir weh tut? - Freund Iwan, wenn du nicht weißt, was mir weh tut, wie kannst du sagen, dass du mich liebst?' Liebe also heißt (so schließt die chassidische Geschichte): Wissen, was dem anderen weh tut."

Aus Bolivien

Wir bitten dich, o Gott, um Leben, damit wir sehen können wie unsere Kinder heranwachsen; um Geduld, damit wir sie lehren können ohne sie zu bevormunden; um Weisheit, damit unsere Taten sie nicht mit Vorurteilen belasten; um Liebe, damit wir ihnen behutsam ein Ziel weisen; um Segen, damit wir zu dem Weg, den sie einschlagen werden, Ja sagen können.

  • Losungen 09.03.12

Gipfel aller Kultur

« Wer mir den Ehstand angreift, [...] wer mir durch Wort, ja durch Tat diesen Grund aller sittlichen Gesellschaft untergräbt, der hat es mit mir zu tun; oder wenn ich sein nicht Herr werden kann, habe ich nichts mit ihm zu tun. Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller Kultur. Sie macht den Rohen mild, und der Gebildetste hat keine bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. Unauflöslich muß sie sein; denn sie bringt so vieles Glück, daß alles einzelne Unglück dagegen gar nicht zu rechnen ist. Und was will man von Unglück reden? Ungeduld ist es, die den Menschen von Zeit zu Zeit anfällt, und dann beliebt er sich unglücklich zu finden. Lasse man den Augenblick vorübergehen, und man wird sich glücklich preisen, daß ein so lange Bestandenes noch besteht. Sich zu trennen gibts gar keinen hinlänglichen Grund. Der menschliche Zustand ist so hoch in Leiden und Freuden gesetzt, daß gar nicht berechnet werden kann, was ein Paar Gatten einander schuldig werden. Es ist eine unendliche Schuld, die nur durch die Ewigkeit abgetragen werden kann. Unbequem mag es manchmal sein, das glaub ich wohl, und das ist eben recht. Sind wir nicht auch mit dem Gewissen verheiratet, das wir oft gerne los sein möchten, weil es unbequemer ist, als uns je ein Mann oder eine Frau werden könnte? »

Von der Ehe

Vereint seid ihr geboren, und vereint sollt ihr bleiben immerdar. Ihr bleibt vereint, wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden. Wahrlich, ihr bleibt vereint selbst im Schweigen von Gottes Gedenken. Doch lasset Raum zwischen eurem Beinandersein, Und lasset Wind und Himmel tanzen zwischen euch.

Liebet einander, doch macht die Liebe nicht zur Fessel: Schaffet eher daraus ein webendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen.

Füllet einander den Kelch, doch trinket nicht aus einem Kelche. Gebet einander von eurem Brote, doch esset nicht vom gleichen Laibe. Singet und tanzet zusammen und seid fröhlich, doch lasset jeden von euch allein sein. Gleich wie die Saiten einer Laute allein sind, erbeben sie auch von derselben Musik.

Gebet einander eure Herzen, doch nicht in des andern Verwahr. Denn nur die Hand des Lebens vermag eure Herzen zu fassen. Und stehet beieinander, doch nicht zu nahe beieinander: Denn die Säulen des Tempels stehen einzeln, Und Eichbaum und Zypresse wachsen nicht im gegenseit'gen Schatten.

Allerlei Tücken

In meiner Heimat Indien wuchsen viele Männer in dem Glauben auf, Frauen seien wie Kühe. "Ich habe sie geheiratet", sagen sie, "sie gehört mir". Kann man diesen Männern einen Vorwurf machen? Machen Sie sich auf einen Schock gefasst: nein, kann man nicht. Ebenso wie vielen Amerikanern vorzuwerfen ist, wie sie über Russen denken. Ihre Brillen wurden einfach getönt, und in diesem Farbton sehen sie jetzt die Welt. Wie kann man sie mit der Wirklichkeit vertraut machen, um sie bewusst werden zu lassen, dass sie die Welt durch eine gefärbte Brille sehen? Solange sie nicht ihr zugrundeliegendes Vorurteil erkennen, gibt es keine Hilfe.

Sobald Sie die Welt aus der Sicht einer Ideologie betrachten, sind Sie am Ende. Keine Wirklichkeit passt in eine Ideologie, das Leben ist mehr als das. Darum suchen die Menschen immer nach dem Sinn des Lebens. Aber das Leben hat keinen Sinn; es kann keinen Sinn haben, denn Sinn ist eine Formel; Sinn ist etwas was unserem Verstand vernünftig erscheint. Immer, wenn Sie meinen, in der Wirklichkeit einen Sinn zu sehen, stossen Sie auf etwas, was den Sinn wieder zunichte macht. Sinn ist nur zu finden, wenn Sie über den Sinn hinausgehen. Das Leben hat nur Sinn, wenn Sie es als Mysterium verstehen; für einen begrifflich denkenden Verstand hat es keinen Sinn.

Ich sage nicht, dass Anbetung und Verehrung nicht wichtig sind, aber ich sage zugleich, dass der Zweifel unendlich wichtiger ist als Anbetung. Überall suchen die Menschen nach etwas, das sie anbeten können, aber ich habe noch keinen Menschen gefunden, die in ihren Überzeugungen wach genug sind. Wie froh wären wir, wenn Terroristen ihre Ideologie weniger anbeten und mehr in Frage stellen würden. Trotzdem wollen wir das nicht auf uns beziehen; wir denken, dass wir recht und die Terroristen unrecht haben. Doch ein Terrorist für Sie, ist ein Märtyrer für andere. Einsamkeit heisst, Menschen zu vermissen; Alleinsein heisst, sich selbst zu genügen. So wird vom scharfzüngigen Bernhard Shaw ein schöner Ausspruch berichtet: Auf einer jener langweiligen Cocktail-Parties, auf denen viel geredet, aber nichts gesagt wird, fragte man ihn: "Amüsieren Sie sich gut?" Worauf er erwiderte: "Das ist das einzige, was mich hier amüsiert." Zusammensein mit anderen ist nur dann schön, wenn man ihnen nicht versklavt ist. Eine Gemeinschaft kann sich nicht aus Sklaven zusammensetzen, das heisst aus Leuten, die verlangen, dass andere Leute sie glücklich machen. In einer wirklichen Gemeinschaft gibt es keinen Bettlerhut, kein Anklammern, keine Angst, kein Bangen, kein Katzenjammer, kein Besitzdenken, keine Ansprüche. Freie Menschen bilden eine Gemeinschaft, nicht Sklaven: eine einfache Wahrheit, die aber von einer ganzen Kultur übertönt wurde, die religiöse inbegriffen. Die religiöse Kultur kann sich als sehr manipulativ erweisen, wenn man nicht aufpasst.

Manche Leute betrachten die Bewusstheit als einen hochgelegten Punkt, ein Plateau, jenseits der unmittelbaren Erfahrung eines jeden Augenblicks. Das macht die Bewusstheit zu einem Ziel. Doch wahre Bewusstheit sucht nichts, wohin man gehen, nichts was man erreichen sollte. Wie kommen wir zu dieser Bewusstheit? Durch Bewusstheit.

Wenn manche sagen, sie wollten wirklich jeden Moment erfahren, meinen sie schon Bewusstheit, ausgenommen dieses "wollen". Man kann Bewusstheit nicht erfahren wollen; sie tritt ein oder tritt nicht ein.

  • Antony de Mello, Der springende Punkt / Wach werden und glücklich sein

Verbindungen