Verzweiflung und Sehnsucht

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Foto B.Reis / Wolfurter Kelch

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Wo Verzweiflung und Sehnsucht sich paaren, da entsteht die Mystik.

Leitgedanken

Neu

  • Verzweifle niemals. Die Tage vergehen wie das im Wind fliegende Herbstlaub, und die Tage kehren wieder mit dem reinen Himmel und der Pracht der Wälder. Aufs Neue wird jedes Samenkorn erweckt, und genauso verläuft das Leben. Indianische Weisheit
  • Zu den herben Enttäuschungen des Lebens zählen oft die erfüllten Wünsche. Mutter Theresa
  • Alles beginnt mit der Sehnsucht, immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. Das ist des Menschen Größe und Not: Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe. Und wo Sehnsucht sich erfüllt, dort bricht sie noch stärker auf. Fing nicht auch deine Menschwerdung Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an ? So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen, dich zu suchen, und lass sie damit enden, dich gefunden zu haben. Nelly Sachs
  • Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Joh 11,25-26

A - L

  • Der Mensch hat etwas Zerbrechliches und etwas hell Leuchtendes, etwas Abgründiges und etwas Erfülltes in sich; er ist nicht in den Fängen der Verzweiflung. Auch in einem hart geprüften Leben läßt sich Hoffnung wahrnehmen. Quelle
  • Der Mensch in der Krisis, das ist der Mensch, der seine Sache nicht mehr dem Gespräch anvertraut, weil ihm dessen Voraussetzung, das Vertrauen, verlorengegangen ist. Marin Buber
  • Der Mensch ströme ein Wohlwollen aus auf alle, die da Sehnsucht tragen. Ein Wind sei er, der den Elenden hilft, ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet und sie mit Liebe erfüllt wie Hungernde. Hildegard von Bingen
  • Die höchste Form der Hoffnung ist die überwundene Verzweiflung. Albert Camus
  • Die höchste Würde des Menschen ist das Leiden. Hermann Cohen
  • Die Sehnsucht ist es, die unsere Seele nährt, nicht die Erfüllung. Arthur Schnitzler
  • Die Verzweiflung geht die ganze Persönlichkeit an, der Zweifel nur den Gedanken. Sören Kierkegaard
  • Es gibt nichts auf der Welt, das einen Menschen so sehr befähigte, äußere Schwierigkeiten oder innere Beschwerden zu überwinden, - als: das Bewußtsein, eine Aufgabe im Leben zu haben. Viktor Frankl
  • Gott ist auch in der Finsternis der Verzweiflung bei uns. Er gibt uns die Kraft und den Mut, trotz allem vorwärts zu gehen. Martin Luther King
  • Kein Resignieren, sondern tief innerliches Vertrauen: sich dem Heiligen Geist überlassen und immer und immer wieder ihm anheimgeben, was uns bedrückt. Quelle
  • Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Mt 11,28

M - Z

  • Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt. Rainer Maria Rilke
  • Mündig ist nicht, wer glaubt, Angst, Traurigkeit und Verzweiflung überwinden zu können, sondern wer sie zu durchleuchten vermag und daran wächst. Karlfried Graf Dürckheim
  • Niemals und unter keinen Bedingungen dürfen wir verzweifeln. Zu hoffen und zu handeln, das ist unsere Pflicht im Unglück. Tatenlose Verzweiflung bedeutet so viel wie die Pflicht vergessen und sich ihr entziehen. Boris Pasternak
  • Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide. Johann Wolfgang von Goethe
  • Prüfe dich an der Menschheit. Den Zweifelnden macht sie zweifeln, den Glaubenden glauben. Franz Kafka
  • Sehnsucht und Ahnung liegen ineinander, eins treibt das andre hervor. Bettina von Arnim
  • Um verzweifelt zu sein, muß man am Leben, auch wenn es nur noch unglücklich sein kann, gleichwohl und trotz allem hängen. Marcel Proust
  • Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Dietrich Bonhoeffer
  • Wir müssen uns immer wieder sehr lange und sehr ruhig in das Leben, Sprechen, Handeln, Leiden und Sterben Jesu versenken, um zu erkennen, was Gott verheißt und was er erfüllt. Gewiss ist, dass im Leiden unsere Freude, im Sterben unser Leben verborgen ist; gewiss ist, dass wir in dem allen in einer Gemeinschaft stehen, die uns trägt. Dietrich Bonhoeffer

Sonstiges

Fortitudo - Tapferkeit

Die Haltung der Tapferkeit, die den Menschen davor bewahrt, sein Leben so zu lieben, dass er es verliert, reicht hinein bis in die seelischen Gesundheit. Der krampfhafte Sicherheitswille der ‚Ich-Zentriertheit’ steht wirklicher Tapferkeit wie auch wirklicher seelischer Gesundheit im Wege. Aber auch die ‚politische Tapferkeit’ des alltäglichen und ordentlichen Gemeinschaftslebens ist noch nicht die höchste Stufe der Tapferkeit. Der auf die Verwirklichung des Gottesbildes in sich bedachte Mensch tritt durch die Reinigung der Tapferkeit über die Schwelle des mystischen Lebens, wenn dies auch nur auf den höchsten Gipfeln irdischer Heiligkeit erreicht wird. Auf dieser Stufe der Tapferkeit ist der Mensch mit der dunklen Nacht der Seele konfrontiert, die den Menschen am Anfang und vor der letzten Vollendung des mystischen Lebens der Seele heimsucht. Der Christ, der in dieses Dunkel zu springen bereit ist, verwirklicht im strengen Sinn das Wesen der Tapferkeit, wenn er sich in die absolute Verfügung Gottes begibt. Hier kann der Mensch nur durch die Kraft des Heiligen Geistes standhalten, seine natürlichen Kräfte versagen. Diese Tapferkeit ist demnach eine übernatürliche Tapferkeit und die höchste Stufe in der kontinuierlichen Entfaltung der Tapferkeit von der einzelnen Seele über die Gemeinschaft bis zum mystischen Leben. Alle Tapferkeit bezieht ihre Reserven aus dem mystischen Leben, die sich in die Verfügungsgewalt Gottes hineinwagt.

Versöhnen statt verwöhnen

Wir haben als Christen keine „Leidverhinderungsversicherung“, wie Peter Hahne einmal sagt. Soetwas hat Jesus nie versprochen. „Er kam nicht auf diese Welt“, so Hahne weiter, „um zu verwöhnen, sondern um zu versöhnen“.

Verblüffender Humor

Menschen mit einem schweren Gemüt haben oft einen verblüffenden Humor. Manche von ihnen wählen sogar den Beruf eines Clowns. So ist von dem schweizer Artisten Adrian Wettach (1880-1959) - besser bekannt unter dem Namen Grock - überliefert, dass auch er ein großer Melancholiker gewesen ist, der zuweilen sehr unter depressiven Verstimmungen zu leiden hatte.

Einmal soll er völlig niedergedrückt bei einem Psychiater in Zürich vorstellig geworden sein. Er flehte ihn an, ihm doch zu helfen. Der Arzt, der keine körperliche Erkrankung feststellen konnte, machte seinem Patienten den Vorschlag "Gehen Sie in eine Vorstellung des berühmten Clowns Grock; der wird sie garantiert aufheitern!" Da hob der Mann traurig die Augen und sagte: "Ich bin Grock!"

Vom Sinn der Schwermut

Meist befällt die Schwermut empfindsame, geistig hochstehende Menschen und macht ihnen das Leben zur Qual. Durch ihre besondere Erlebnistiefe sind sie leicht verwundbar, weswegen sie gerne die Einsamkeit aufsuchen; dort können sie am ehesten kreativ sein und sind vor der Oberflächlichkeit der übrigen Welt sicher.

"Die Schwermut ist etwas zu Schmerzliches, und sie reicht zu tief in die Wurzeln unseres menschlichen Daseins hinab, als dass wir sie den Psychiatern überlassen dürften."

Das sagt der katholische Religionsphilosoph Romano Guardini in seiner kleinen Schrift "Vom Sinn der Schwermut", die er bereits 1928 verfasst hat. Guardini bekennt sich darin selbst als ein zutiefst von Schwermut Geplagter.

Mystik will Einheit

„Wo Sehnsucht und Verzweiflung sich paaren, da entsteht die Mystik." So hatte, durch die Erkrankung neuzeitlichen Denkens gezeichnet, hellsichtig Friedrich Nietzsche diagnostiziert. Alle Mystik will Einheit, und ihr Alphabet ist Sehnsucht und Verzweiflung. Immer mehr Menschen leiden an der neuen Unübersichtlichkeit. Das beredte Schweigen der kosmischen Räume, die erschreckende Faszination mikroskopischer wie makrokosmischer Ordnungen, das Zusammenwachsen der pluralen Welt über Räume und Zeiten hinweg - Sehnsucht nach Ganzwerdung und Verzweiflung am Bestehenden treiben ein neues Interesse an Religion, ja an Mystik hervor. Einheit wird gesucht, Wiedervereinigung. Das ist nicht zufällig auch ein Sehnsuchtswort des letzten Konzils: die Kirche sei das Instrument und Sakrament der Einheit aller Menschen mit Gott und untereinander. Wie aber ist die Einheit zu leben und zu denken, wie Ganzheitlichkeit zu verstehen und zu verwirklichen? Steht am Ende die Aufhebung aller Widersprüche in einem letztlich uniformistischen All-Eins, oder bleiben die Wunden der Entfremdung und Entzweiung, vernarbt, freilich doch spürbar?

Der Unruhe seines Herzens folgen

Wer Gott finden will, muß ihn mit dem Herzen suchen. Voraussetzung jeder Gottesbegegnung ist das Suchen nach ihm. "Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden", läßt Gott den Propheten Jeremia sagen. Und wer sich auf die Suche nach Gott macht, muß den Aufbruch wagen, in ein unbekanntes Land - wie Abraham; muß sich auf ein riskantes Unternehmen einlassen - wie Moses; er muß mit Auseinandersetzungen mit seiner Umgebung rechnen - wie Elija; er muß einsame unverständliche Beschlüsse fassen - wie Jeremia; er muß mit seiner Vergangenheit brechen - wie Paulus; er muß der Unruhe seines Herzens folgen - wie Augutinus.

Sieg des Guten

Eine tiefe Sehnsucht in mir sucht Weisheit. Ich kann nicht leben von Betrug und Narretei, von den vielen Illusionen und Übertreibungen, die von Fernsehen und Illustrierten ausgehen. Ich brauche Wahrheit, Glauben und Vertrauen.

Ein Ahnen in mir sucht den Sieg des Guten. Ich glaube nicht an das allgegenwärtige Böse, auch wenn ich noch so viel Unrecht erfahre. Ich brauche Freude, Begeisterung und Segen.

Ein Wollen in mir sucht nach Geborgenheit. Ich kann nicht leben von der Enttäuschung Und will nicht leben in der Verzweiflung. Ich brauche Hoffnung, Güte und Liebe.

Fragmente

Verbindungen