Schule des Lebens

Aus Wiki.comanitas.com
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Erfahrung ist die Lehrmeisterin in allem.

Leitgedanken

Neu

  • Der Klügere gibt nach! Eine traurige Wahrheit, sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Eifersucht ist eine Leidenschaft, / Die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Franz Grillparzer
  • Mensch, werde wesentlich: denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht. Angelus Silesius
  • Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch! Friedrich Hölderlin
  • Das Leben ist ein andauerndes Staunen über das Wunder, zu leben. Rabindranath Tagore
  • Man muss vieles, das unser Ohr trifft, nicht hören, als wäre man taub, und dafür Sinn und Verstand auf das richten, was dem Herzen den Frieden bringt. Thomas von Kempen
  • Fest und stark ist nur der Baum, der unablässig Windstößen ausgesetzt war, denn im Kampf festigen und verstärken sich seine Wurzeln. Seneca
  • Im Herzen eines Menschen ruht der Anfang und das Ende aller Dinge. Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi

A - D

  • «Alles ist erlaubt» - aber nicht alles nützt. «Alles ist erlaubt» - aber nicht alles baut auf. 1 Kor 10,23
  • Ach, was nützt Erfahrung? Sie verführt nur dazu, daß die Leute mit Eigensinn an dem einmal Festgestellten hängen und durchaus sich nicht zugestehen, daß die Vernunft das Bessere oder das Wahre erfinde. Bettina von Arnim
  • Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Martin Buber
  • Anderssein ist unanständig. Die Masse vernichtet alles, was anders, was ausgezeichnet, persönlich, eigenbegabt und erlesen ist. Wer nicht 'wie alle' ist, wer nicht 'wie alle' denkt, läuft Gefahr, ausgeschaltet zu werden. José Ortega y Gasset
  • Aus der Not eine Tugend machen. Redensarten
  • Beati possidentis (Glücklich sind die Besitzenden) Römisches Sprichwort
  • Bevor ihr den Menschen predigt, wie sie sein sollen, zeigt es ihnen an euch selbst. Fjodor Dostojewski
  • Das Chaos will anerkannt, will gelebt sein, ehe es sich in eine neue Ordnung bringen läßt. Hermann Hesse
  • Das Leben schlägt allen Wunden. Dem Glücklichen läßt es sie auch heilen. Walter Ludin
  • Das Leben verlangt von uns sehr oft, dass wir Dinge wegstecken müssen, für die wir gar keine Taschen haben. Quelle
  • Deine Begierden und dein Geschmack sind jetzt deine Tyrannen. Lass es gut sein; man muss sie austoben lassen. Sich ihnen widersetzen, ist Torheit. Sie werden am sichersten eingeschläfert und endlich gar überwunden, wenn man ihnen freies Feld lässt. Gotthold Ephraim Lessing
  • Der Adler fliegt allein, / der Rabe scharenweise. / Gesellschaft braucht der Tor / und Einsamkeit der Weise. Friedrich Rückert
  • Der Begriff der Aufgabe ist ein Wesensbestandteil des Menschseins: Den Menschen gibt es nicht ohne die Aufgabe. José Ortega y Gasset
  • Der Mensch hat nur allzusehr Ursache, sich vor dem Menschen zu schützen. Der Mißwollenden giebt es gar viele, der Mißthätigen nicht wenige, und um zu leben wie sich’s gehört, ist nicht genug immer wohlzuthun. Goethe, Wilh. Meister’s Wanderjahre
  • Der Mensch kennt alle Dinge der Erde, aber den Menschen kennt er nicht. Jeremias Gotthelf
  • Der Prophet im eigenen Land ist nichts wert; ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland. Sprichwort aus der Bibel (Mt 13,57): "Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause" Redensarten
  • Die Vergangenheit kann uns nicht sagen, was wir tun, wohl aber, was wir lassen müssen. José Ortega y Gasset
  • Die Welt bewegt sich, und wenn wir noch nicht weitergegangen sind kommen wir irgenwann wieder am selben Ort vorbei. Rolf Lehner
  • Don´t cry over spilt milk! (Weine nicht über verschüttete Milch)
  • Du musst geben, bevor du nimmst - und bauen, bevor du wohnst. Antoine de Saint-Exupéry

E - L

  • Ehre jeden als Lehrer, von dem du etwas gelernt hast. Talmud
  • Ein Feind ist ein Lehrer, der seine Lektionen gratis erteilt. Ferdinand Vicomte de Lesseps
  • Es entspricht einem Lebensgesetz: Wenn sich eine Tür vor uns schließt, öffnet sich eine andere. Die Tragik ist jedoch, dass man auf die geschlossene Tür blickt und die geöffnete nicht beachtet. Andre Gide
  • Es ist besser, gelegentlich betrogen zu werden, als niemandem mehr zu vertrauen. Astrid Lindgren
  • Gesell dich einem Bessern zu, / dass mit ihm deine Kräfte ringen. / Wer selbst nicht weiter ist als du, / der kann dich auch nicht weiterbringen. Friedrich Rückert
  • Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst. Bernhard von Clairvaux
  • Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst - darauf kommt alles an. Leo Tolstoi
  • Ich habe allein mit der Gegenwart zu tun. Gott wird für die Zukunft sorgen. Die wichtigste Zeit ist das Jetzt; der wichtigste Mensch ist der Nächste, mit dem ich jetzt spreche; die wichtigste Tat ist, dem Nächsten, mit dem ich jetzt spreche, Gutes zu tun. Tolstoi
  • Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen - wenn ich es kann. Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten. Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt. Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas sehnen und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden und Erfolge haben. Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen; lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolgs, statt die dumpfe Ruhe Utopiens. Ich will weder Freiheit gegen Wohltaten hergeben, noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt, selbst zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk. Das alles ist gemeint, wenn wir sagen: Ich bin ein freier Mensch. Albert Schweitzer
  • Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben. Wilhelm von Humboldt
  • In allen Dingen ist der rechte Augenblick für den Erfolg entscheidend. Menander
  • Irgendwo got´s all. Günter Sieber
  • Jede Züchtigung scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit. Hebr 12,11
  • Leben ist eine Zusammenkunft, zu der immer nur eine begrenzte Anzahl von Gästen geladen ist und die Einladung nie wiederholt wird. Hans Carossa
  • Leben ist ewiger Unterricht in Ursache und Wirkung. Ralph Waldo Emerson
  • Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden. Sören Aabye Kierkegaard

M - Z

  • Man sollte sich nicht schlafen legen, ohne sagen zu können, daß man an diesem Tage etwas gelernt hätte. Lichtenberg
  • Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten. Rabindranath Tagore
  • Ned lugg lo. Peter Streitberger
  • Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen. Goethe
  • Noch ´m Spärar kut d´ Zehrar! Volksmund
  • Probieren geht über studieren. Volksmund
  • Quod licet jovi, non licet bovi. Quelle
  • Sage nicht immer, was Du weißt, aber wisse immer, was Du sagst. Matthias Claudius
  • Schwer ist es, die rechte Mitte zu treffen: Das Herz zu härten für das Leben, es weich zu halten für das Lieben. Jeremias Gotthelf
  • Sehnsucht, Liebe, Hoffnung, Verlangen – das ist das wahre Leben. August von Kotzebue
  • Sicherlich würde das menschliche Leben weit glücklicher verlaufen, wenn der Mensch ebenso gut zu schweigen wie zu reden vermöchte. Aber die Erfahrung lehrt uns mehr als genug, daß der Mensch nichts so schwer beherrscht wie seine Zunge. Baruch de Spinoza
  • Unrecht Gut gedeihet nicht. Quelle
  • Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht. Mark Aurel
  • Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Goethe
  • Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder. Henry David Thoreau
  • Wenn in meinem Sinn, ich im Zweifel bin: soll ich reden oder schweigen, kämpfen oder still mich beugen? Sage du mir dann: Man soll, was man kann. Nikolaus Ludwig von Zinzendorf
  • Wer fragt, ist ein Narr für eine Minute. Wer nicht fragt, ist ein Narr sein Leben lang. Konfuzius
  • Wer wagt, gewinnt. Volksmund
  • Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen / ist ein Wort, gesprochen zur rechten Zeit. Spr 25,11
  • Willst du für ein Jahr vorausplanen, so baue Reis. Willst du für ein Jahrzehnt vorausplanen, so pflanze Bäume. Willst du für ein Jahrhundert planen, so bilde Menschen. Tschuang-Tse
  • Wirke! Nur in seinen Werken kann der Mensch sich selbst bemerken. Friedrich Rückert
  • You can fool all the people some of the time, and some of the people all of the time, but you cannot fool all the people all of the time. (Man kann einen Teil der Leute für immer oder alle Leute für einen Teil der Zeit, aber nie alle Leute für immer zum Narren halten.) Abraham Lincoln
  • Zum Empfangen und Geben ist der Mensch geschaffen, zu Wirksamkeit und Freude, zum Tun und zum Leiden. Johann Gottfried von Herder

Sonstiges

Aufhebung des Leidens

„Alles ist Leiden! Alles Leiden kommt vom „Durst“, der Lebensgier! Die Aufhebung des Leidens erfolgt durch die Beseitigung des Durstes.“ Das sind drei von den vier großen Wahrheiten des Buddhismus. Ob nun wirklich alles Leiden ist, weiß ich nicht. Aber: Alles Leiden kommt vom „Durst“, der Lebensgier! Dem kann ich zustimmen.

Doch wie kommt man da ´raus? In der Diagnose stimmen Buddha und Jesus überein, ihre Therapie ist jedoch ganz unterschiedlich! Buddha sagt: „Die Aufhebung des Leidens erfolgt durch die Beseitigung des Durstes.“ Auch das ist zweifellos richtig! Während Buddha den Durst durch Meditation, angemessenes Verhalten und Verleugnen der Welt beseitigen will, sagt Jesus: „Wenn einer Durst hat, so kann er zu mir kommen und trinken.“ Jesus überwindet den Durst, indem er ihn für immer löscht. Er gibt vom lebendigen Wasser, von Gottes Geist! So bringt er den Menschen Heilung und Erlösung. „Du mußt dir selbst helfen!“, sagt Buddha. - „Ich helfe dir!“, sagt Jesus. Das ist der Unterschied zwischen Jesus und Buddha.

Die Fragen lieb haben

Zitat aus Briefe, erster Band: 1897 bis 1914, (Wiesbaden) 1950, 49 «(…) und ich möchte Sie, so gut ich es kann bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben, wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie jetzt nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein.»

Rechtfertigung der Elite

Der Elite-Mensch nutzt seine Freiheit im vollen Bewußtsein des mit ihr verbundenen Risikos und verwirft jegliche Bequemlichkeitslösung, er setzt sich der Gefahr aus, übernimmt Verantwortung und wagt es, gefährlich zu leben. So gewinnt er die schöpferische Freiheit wieder, macht sie gleichzeitig zu einer Quelle der Verpflichtung und Ängstigung, zu einer Quelle der Phantasie und der Freude.

  • Louis Baudin, Walter Hildebrandt / Wächter der Ordnung - Hüter der Freiheit / Rechtfertigung der Elite

Das Hobellied

  1. Da streiten sich die Leut herum / Oft um den Wert des Glücks, / Der eine heißt den andern dumm, / Am End' weiß keiner nix. / Da ist der allerärmste Mann / Dem andern viel zu reich: / Das Schicksal setzt den Hobel an / Und hobelt alles Gleich!
  2. Die Jugend will stets mit Gewalt / In allem glücklich sein, / Doch wird man nur ein wenig alt, / Da gibt man sich schon drein. / Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus! / Das bringt mich nicht in Wut; / Da klopf ich meinen Hobel aus / Und denk: du brummst mir gut !
  3. Zeigt sich der Tod einst, mit Verlaub, / und zupft mich: Brüderl kumm! / Da stell ich mich ein wenig taub / Und schau mich gar nicht um. / Doch sagt er: "Lieber Valentin, / Mach keine Umständ, geh!" / So leg ich meinen Hobel hin / Und sag der Welt ade!
  • Ferdinand Raimund, »Der Verschwender«, 1834

Menschenwürdiges Zusammenleben

In mehreren antiken chinesischen Büchern findet sich (mit geringen textlichen Variationen) folgender Bericht: Als Konfuzius in Lu durch einen Wald zog, weinte dort eine Frau ganz bitterlich. Er ließ seinen Jünger Zigong fragen, weswegen sie mit solcher Bitterkeit weine. Sie sagte: "voriges Jahr hat ein Tiger meinen Mann gefressen, und dieses Jahr meinen Sohn. Das ist es, weswegen ich bitterlich weine.“

Zigong meinte: "wenn die Sache so steht, warum ziehst du nicht weg von hier?" Sie antwortete: "Was ich hier so schätze ist, daß die Regierung nicht tyrannisch und die Beamten nicht grausam sind." Zigong ging zurück und berichtete es Konfuzius. Konfuzius sagte: "Merkt euch das, meine Schüler! Tyrannische Regierungen und grausame Beamte sind ärger als Tiger."

Diese Episode zeigt anschaulicher als lange gelehrte Abhandlungen die Aktualität des antiken Philosophierens in China. Viele Staaten sind seither entstanden und vergangen, vieles hat sich verändert, aber nach wie vor ziehen Ströme von Menschen auf der Flucht vor tyrannischen Regierungen durch die Welt. Immer noch quält sich die Menschheit mit der Frage, wie ein menschenwürdiges Zusammenleben gestaltet und gesichert werden könnte - und gerade diese Frage steht im Zentrum der alten chinesischen Philosophie.

  • Hubert Schleichert, Klassische chinesische Philosophie, 1990

Jung sein

Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt, sondern eine Geisteshaltung; sie ist Ausdruck des Willens, der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität. Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit, Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit. Man wird nicht alt, weil man eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat: Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt. Die Jahre zeichnen zwar die Haut - Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele. Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen und Hoffnungslosigkeit sind Feinde, die uns nach und nach zur Erde niederdrücken und uns vor dem Tod zu Staub werden lassen.

Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann. Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt: Und dann? Wer noch Ereignisse herausfordert und sich freut am Spiel des Lebens. Ihr seid so jung wie euer Glaube. So alt wie eure Zweifel. So jung wie euer Selbstvertrauen. So jung wie eure Hoffnung. So alt wie eure Niedergeschlagenheit. Ihr werdet jung bleiben, solange ihr aufnahmebereit bleibt: Empfänglich fürs Schöne, Gute und Große; empfänglich für die Botschaften der Natur, der Mitmenschen, des Unfasslichen. Sollte eines Tages euer Herz geätzt werden von Pessimismus, zernagt von Zynismus, dann möge Gott Erbarmen haben mit eurer Seele - der Seele eines Greises.

Wie der Meister wirkt

Der Meister hat fünf Weisen zu wirken:

  • die Lehre
  • die Weisung
  • die Strahlung
  • das Beispiel
  • der Schock

Der Ruf nach dem Meister bedeutet eine Absage an die Rolle des bisherigen Erziehers und Lehrers, sofern diese den Anspruch erheben, dem Menschen nicht nur Wissen und Können zu vermitteln, sondern ihn auch zu einem rechten Menschen und für ein rechtes Leben heranzubilden; denn in ihrem Bilde des „Rechten“ fehlt das Entscheidende: Der verpflichtende Bezug zur Transzendenz und zu der in ihm gründenden Möglichkeit zu der menschliches Sein vollendenden Reife. Wo der Mensch nur auf Durchsetzungskraft, nützliche Leistung und Wohlverhalten ausgerichtet wird, bleibt sein eigentliches Menschsein im Schatten.

  • Karlfried Graf Dürckheim, Der Ruf nach dem Meister

Schule des Lebens

Es gibt, nach einem Philosophen-Wort, »vieles, was das Leben angenehm und reich macht, aber nur eines, was es groß macht: das ist die Größe dessen, der es lebt«. Groß und dem eigenen Wesen gemäß zu leben lernt man in der Schule des Lebens, in der die Schüler durch Widerstände erprobt werden.

Man muß, wie Seneca sagt, »solange lernen, als man noch Mangel an Kenntnissen hat, also solange man lebt. Vor allem muß man, solange man lebt, lernen, wie man leben soll. Im Gewißsein, daß Gott auf das Wohl und das Vollkommenerwerden des Menschen bedacht ist, gilt es Schwierigkeiten furchtlos entgegenzutreten, sie als Ansporn und Proben zu werten und an ihnen unsere Willigkeit, sie zu meistern, zu beweisen. Den guten Steuermann lernt man im Sturm kennen, die Tauglichkeit und Kraft des Menschen, wenn Widrigkeiten seinen Weg kreuzen.«

Das Trostvolle dabei ist, daß unser Lernvermögen unbegrenzt ist: »Du kannst so viel fassen, wie du willst. Je mehr du in dich aufnimmst, desto größer wird dein Fassungsvermögen. Gott wendet in der Lebensschule das gleiche Prinzip an wie der Lehrer bei den Schülern: er verlangt ständig höhere Leistungen - vor allem von denen, auf die er größte Hoffnungen setzt. Was ist also verwunderlich, wenn die göttliche Führung edlen Geistern größere Prüfungen auferlegt als den anderen? Tapferkeits- und Leistungserprobungen können nie schonend sein. Darum sollten wir uns dem göttlichen Lehrer, der es doch gut mit uns meint, bereitwillig zur Verfügung halten und uns vom Schicksal abhärten lassen. Nach und nach werden wir uns dem Schicksal gewachsen und schließlich überlegen fühlen.

Ein Baum ist nur dann fest und widerstandsfähig, wenn er oft vom Wind zersaust wird; denn dann wurzelt er immer tiefer und steht immer unerschütterlicher da. Genau so lerne du, Schicksalsschläge gleichmütig standhaltend zu ertragen.«

Denke auch nie, du seiest zu alt, um noch zuzulernen, du habest bereits die volle Reife erlangt. Keiner hat in der Lebensschule je ausgelernt, keiner kann nicht noch vollkommener und tüchtiger werden, wenn er nur seiner inneren Kraft vertraut.

Marc Aurel sagt von dieser Kraft, daß sie »einem gewaltigen Strome gleicht, der alles mit sich fortreißt, weshalb der weise handelt, der dem inneren Rufe folgt und tut, was der göttliche Genius in ihm fordert. Er tut damit, was Religion und Philosophie von ihm fordern und was seinem Wesen gemäß, seinem Wohle dienlich ist: er erfüllt sich mit Willigkeit und Gelassenheit gegenüber allem, was zwischen Tugend und Laster liegt, und folgt dem Willen der Gottheit. Damit aber wird er mächtiger als das Schicksal.«

  • SENECA - Der Lebemeister, K.O.Schmidt

Verbindungen