Der Weg ist das Ziel

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Foto Peter Streitberger

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Leitgedanken

Neu

A – D

  • Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: Dein Wandern zum Ziel. Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach
  • Auch ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Chinesisches Sprichwort
  • Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen. Spr 16,3
  • Das Gewissen ist unser bester und zuverlässigster Wegweiser. Leo Nikolajewitsch Tolstoi
  • Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht ein Gesundsein, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles. Martin Luther
  • Das nächste Ziel mit Lust und Freude und aller Kraft zu verfolgen, ist der einzige Weg, das Fernste zu erreichen. Christian Friedrich Hebbel
  • Das wichtigste Ziel ist das Jetzt, der wichtigste Mensch ist der Nächste, mit dem ich jetzt spreche; die wichtigste Tat ist, dem Nächsten Gutes zu tun. Leo (Lew) Nikolajewitsch Graf Tolstoi
  • Den rechten Weg wirst nie vermissen, handle nur nach Gefühl und Gewissen! Johann Wolfgang von Goethe
  • Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Mt 18,20
  • Der Anfang fürchtet oft, womit das Ende scherzt. Andreas Gryphius
  • Der archimedische Punkt, von dem aus ich an meinem Orte die Welt bewegen kann, ist die Wandlung meiner selbst. Martin Buber, Der Weg des Menschen
  • Der Genius weist den Weg, das Talent geht ihn. Marie von Ebner-Eschenbach
  • Der gerade Weg ist der kürzeste, aber es dauert meist am längsten, bis man auf ihm zum Ziele gelangt. Georg Christoph Lichtenberg
  • Der Idealist weiß nicht, wohin er geht, ist aber unterwegs. Carl Sandburg
  • Der kürzeste Weg zu sich selbst führt um die Welt herum. Hermann Graf Keyserling
  • Der längste Weg ist die Reise nach innen. Dag Hammerskjöld
  • Der Mensch denkt und Gott lenkt ! Volksmund
  • Der Natur liegt nur unser Dasein am Herzen. Ums Wohlsein muß man sich selber kümmern. Arthur Schopenhauer
  • Der Weg ist das Ziel. Konfuzius
  • Der Weg, der zum Leben des Geistes führt, ist ein dorniger und schmaler! Das will soviel sagen als: Alles, was dir in diesem Leben von Seiten der Menschen auch immer Ärgerliches, Bitteres und Unangenehmes begegnen kann, das bekämpfe du mit aller Geduld und Sanftmut, und wer dir Übles tut, dem tue nicht wieder dasselbe zurück, sondern das Gegenteil, so wirst du glühende Kohlen über seinem Haupte sammeln! Wer dich schlägt, dem vergelte nicht Gleiches mit Gleichem, nimm lieber noch einen Schlag von ihm, auf dass Friede und Einigkeit zwischen euch sei und bleibe; denn nur im Frieden gedeiht das Herz und des Geistes Wachstum in der Seele. Jakob Lorber
  • Des Menschen Herz plant seinen Weg, / doch der Herr lenkt seinen Schritt. Spr 16,9
  • Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt. Spr 16,9
  • Deshalb, meine Brüder, bemüht euch noch mehr darum, dass eure Berufung und Erwählung Bestand hat. Wenn ihr das tut, werdet ihr niemals scheitern. 2 Petr 1,10
  • Die Menschen aber, die ihren eigenen Weg zu gehen fähig sind, sind selten. Die große Zahl will nur in der Herde gehen, und sie weigert die Anerkennung denen, die ihre eigenen Wege gehen wollen. Blaise Pascal
  • Du Wort der Wahrheit, lautrer Quell, mach unsre dunklen Augen hell, dass wir die Wege Gottes sehn und in der Welt nicht irre gehn. Julius Sturm

E – M

  • Ein Leben ohne Feste ist wie ein langer Weg ohne Einkehr. Demokrit
  • Ein spiritueller Weg, der nicht in den Alltag und zum Mitmenschen führt, ist ein Irrweg. Willigis Jäger
  • Es geht nicht an, dem Menschen zu sagen, welchen Weg er gehen soll. Denn da ist ein Weg, Gott zu dienen durch Lehre, und da, durch Gebet, da, durch Fasten, und da, durch Essen. Jedermann soll wohl achten, zu welchem Weg ihn sein Herz zieht, und dann soll er sich diesen mit ganzer Kraft erwählen. Martin Buber, Der Weg des Menschen
  • Es gibt bereits alle guten Vorsätze, wir brauchen sie nur noch anzuwenden. Blaise Pascal
  • Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können. George Eliot
  • Geh deinen Weg. Es wird deiner sein, wohin immer er führt. Lass dir Zeit, nachzudenken, zu fragen, zu erinnern, abzuwägen. Geh deinen Weg. Überstürze dich nicht. Lass dich nicht aufhalten. Wenn möglich, geh nicht allein. Wenn nötig, trenne dich. Auf deinem Gesicht liegt der Glanz Gottes. In deinem Herzen schlägt die Liebe Gottes. Deine Füße reichen weit und sind tapferer als deine Pläne. Deine Arme sind lang genug, um wenigstens einen Menschen zu umarmen. Geh mutig deinen Weg. Auf dir ruht der Segen Gottes. Gerhard Engelsberger
  • Geh nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind. Alexander Graham Bell
  • Gehe nicht, wo vielleicht ein Pfad ist. Geh stattdessen, wo kein Pfad ist, und hinterlasse eine Spur. Walt Whitman
  • Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur. Jean Paul
  • Ich kenne keinen sicheren Weg zum Erfolg, aber einen sicheren Weg zum Misserfolg: Es allen Recht machen zu wollen. Platon
  • Ich stelle täglich drei Fragen an mich selbst: War ich in dem, was ich für andere tat, auch wirklich gewissenhaft? War ich meinen Freunden gegenüber vollkommen aufrichtig? Habe ich alle Lehren, die mir zuteil wurden, auch tatsächlich befolgt? Konfuzius
  • Ideale sind wie Sterne. Wir erreichen sie niemals, aber wie die Seefahrer auf dem Meer richten wir unseren Kurs nach ihnen. Carl Schurz
  • Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich ein von Gott geschaffenes Vakuum, das durch nichts Erschaffenes erfüllt werden kann als allein durch Gott, den Schöpfer, so wie er sich in Christus offenbart. Blaise Pascal
  • In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod. Friedrich von Logau

N - Z

  • Nichts auf der Welt ist dem Menschen mehr zuwider, als den Weg zu gehen, der ihn zu sich selber führt! Hermann Hesse
  • Nur der entspannte Mensch ist wirklich schöpferisch, und Ideen fallen ihm blitzartig zu. Cicero
  • Treuer Christus, ziehe uns schwache Menschen dir nach. Wenn du uns nicht ziehst, können wir nicht folgen. Gib einen tapferen und willigen Geist, ein furchtloses Herz, rechten Glauben und feste Hoffnung; und wenn wir schwach sind, so gehe uns deine Gnade voraus. Jan Hus, Losungen 2003 Herrnhuter Brüdergemeine
  • Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt in tausend Stücke zerbräche, ich würde heute noch einen Baum pflanzen. Martin Luther
  • Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Franz Kafka
  • Wenn man geht, dann geht´s! Augustinus
  • Wer mit dem Strom schwimmt, erreicht die Quelle nie. Peter Tille
  • Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe. Sprichwort
  • Wer zur Quelle gehen kann, gehe nicht zum Wassertopf. Leonardo da Vinci
  • Wir stolzen Menschenkinder / Sind eitel arme Sünder / Und wissen gar nicht viel; / Wir spinnen Luftgespinste / Und suchen viele Künste / Und kommen weiter von dem Ziel. Matthias Claudius
  • Wo kämen wir denn hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin - und niemand ginge, um zu sehen, wohin man käme, wenn man endlich ginge. Hans A. Pestalozzi
  • Wohin denn sollten wir gehen wenn nicht nach Hause zurück ? Quelle
  • Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. Konfuzius
  • Zu unserer Natur gehört die Bewegung, die vollkommene Ruhe ist der Tod. Blaise Pascal
  • Zu wahrer menschlicher Größe gibt es nur einen Weg - den durch die Schule des Leidens. Albert Einstein

Sonstiges

Besser als ein Licht

Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewißheit entgegengehen kann!

Aber er antwortete: Gehe nur hin in die Dunkelheit und lege deine Hand in die Hand Gottes!

Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg!

Umwege erhöhen die Ortskenntnis

Was habe ich davon, immer mit klarer Definition durchs Leben zu rennen, immer etwas unbedingt haben oder erreichen zu wollen, mir selbst auch nie eine Pause zu gönnen…und vor allem überhaupt nicht mehr mitzubekommen, was da an Schönheit rechts und links des Weges liegt? Nicht zu sehen, wer noch so unterwegs ist auf all den kurvenreichen Pfaden? Auf einmal war es irgendwie ganz einfach, regelrecht ERLEICHTERND, loszulassen – und mich einzulassen auf etwas völlig Neues, auf einen Weg, der nicht zwangsläufig irgendwo hinführen muss, aber der einfach schön ist, abwechslungsreich und interessant.

Er konnte sich nicht finden

13. Sonntag im Jahreskreis (A) Mt 10,37-42

Martin Buber überliefert uns folgende rabbinische Geschichte: Rabbi Chanon erzählte: Es gab einmal einen Toren, den man den Golem nannte, so töricht war er. Am Morgen beim Aufstehen fiel es ihm immer so schwer, seine Kleider zusammenzusuchen, dass er am Abend, dran denkend, oft Scheu trug, schlafen zu gehen. Eines Abends fasste er sich schließlich ein Herz, nahm Zettel und Stift zur Hand und verzeichnete beim Auskleiden, wo er jedes Stück hinlegte. Am Morgen zog er wohlgemut den Zettel hervor und las: ,,Die Mütze" - hier war sie, er setzte sie auf, ,,die Hosen", da lagen sie, er fuhr hinein, und so fort, bis er alles anhatte. „Ja aber, wo bin ich denn?", fragte er sich nun ganz bang, ,,wo bin ich geblieben?" Umsonst suchte er, er konnte sich nicht finden. - ,,So geht es uns", sagte der Rabbi.

Er konnte sich nicht finden. Scheinbar ist das Sich-Finden ein Problem für die Menschen. Wenn ich es recht sehe, geht Jesus im heutigen Evangelium auf diese Not ein. Sein Rat ist allerdings sehr ungewöhnlich, um nicht zu sagen unbegreiflich, wenn er feststellt: ,,Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen" (Mt 10,39). Wie kann Verlust Gewinn sein? Jesus spricht ein Thema an, mit dem die Menschen sich schwer tun; sie sollen das Loslassen lernen, um leben zu können. In der Gemeinde stoße ich im menschlichen Miteinander - vor allem in den Familien - auf zwei Probleme. Das erste bezieht sich auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Die Kinder sind ihr Ein und Alles; die Eltern sind bereit, jedes Opfer für sie zu bringen. Viele Eltern suchen den ganzen Sinn ihres Lebens nur in ihren Kindern. Mit Schrecken denken Vater und Mutter daran, dass die Kinder heranwachsen, eigenständig und darum losgelassen werden wollen. Und weil die Eltern ihre Kinder nicht abgeben möchten, versuchen sie mit allen Mitteln, sie an sich zu binden.

Und da beginnt die Tragik: Je mehr sie ihr Kind an sich binden, desto mehr verlieren sie es. Von materiellen Gütern mag man sagen, dass wir nur das behalten, was wir festhalten. Aber von Menschen gilt das nicht! Eltern, die ihr Kind nicht loslassen, können sich selbst nicht finden, weil sie den Sinn ihres Lebens in ihrem Kind suchen und nicht in sich selbst. Auf der anderen Seite kann auch das Kind sich nicht finden, weil es nicht in das eigene Leben entlassen wird. Nur wer die Größe hat, sein Kind loszulassen, ohne ihm die Liebe zu entziehen, der wird es - auf eine andere Weise - behalten. Das zweite Problem ist ähnlich gelagert; es geht um die Beziehung zwischen Ehepartnern. Auch der Ehepartner, der das Liebste, das Ein und Alles des anderen ist, hat einen Anspruch darauf, losgelassen zu werden. Ich beobachte Frauen in der Gemeinde, die eine neue und große Aufgabe, die sie stark in Anspruch nimmt, gefunden haben. Obwohl diese Frauen sich ihr mit Freude und Leidenschaft hingeben, befürchten ihre Männer, sie könnten durch diese Tätigkeit ihre Frauen verlieren. Solche Neuorientierungen erfolgen oft nach vielen Ehejahren, etwa wenn die Kinder aus dem Hause gehen. Dieser Wandel in der Lebensausrichtung ist kein Abweg, sondern ein Aufbruch zu neuen Ufern, der notwendig ist, sich zu finden. Ehemänner, die ihre Frauen bei dieser Sinnsuche nicht freigeben, werden ihr Liebstes verlieren. Haben sie aber die Größe, ihre Frauen loszulassen, dann werden sie sie behalten. Alle Beteuerungen der Männer, sie meinten es doch nur gut mit ihren Frauen, die Frauen würden sich übernehmen und durch ihre neue, selbstgewählte Aufgabe die Ehe belasten, sind Irrwege und keine Hilfe. Nur die Ehe ist stabil, in der dem Partner die Möglichkeit gegeben wird, sich zu finden. Die Männer müssen lernen - das gilt natürlich auch umgekehrt -, ihre Frauen loszulassen, um sie zu behalten. Jetzt bekommt das Jesuswort plötzlich einen Sinn, der uns im Tiefsten berührt: ,,Wer sein ‚Leben’ verliert, wird es gewinnen.“

  • Paul Burtscher

status viatoris

Viator heisst: der auf dem Wege. Und status viatoris meint den Zustand des Auf-dem-Wege-Seins.

Unwägbarkeiten des Lebens

"Ein Mensch erhofft sich fromm und still, dass er einst das kriegt, was er will. Bis er dann doch dem Wahn erliegt und schließlich das will, was er kriegt", fordert Eugen Roth in "Man wird bescheiden". Hier müssen Sie nicht bescheiden sein. Diese Zusammenstellung vereint mit Wilhelm Busch (1832 - 1908) und Eugen Roth (1895 - 1976) ein unschlagbares Dichtergespann, wenn es darum geht, den Widrigkeiten menschlichen Strebens und Schaffens wenigstens noch etwas Humor abzugewinnen... Mit der sprichwörtlich spitzen Feder karikieren Busch und Roth die Unzulänglichkeiten der menschlichen Spezies, die stete Diskrepanz zwischen erklärtem Anspruch und weit hinterherhinkender Realität. Wer kennt sie nicht, die gern zitierten Kurzgedichte Eugen Roths, die stets paradigmatisch mit "Ein Mensch" beginnen. Und wer hätte nicht angesichts der Unwägbarkeiten des Lebens schon einmal Wilhelm Busch aus der Schublade gezogen: "Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt".

Nichts suchen

Der Dichter Franz Kafka hat die Frage des Verzichts auf Zwecke, die Frage des Umsonst so formuliert: "Wer sucht, findet nicht. Aber wer nicht sucht, wird gefunden." Anders gesagt: Wer keine Zwecke verfolgt, ist einfach da, ist auffindbar, erkennbar - für Gott, wenn man so will, für die Menschen, für die Welt. Das Sinnvolle ist nicht das Zweckvolle. Und wenn einer da ist, ist alles da - wie unbeabsichtigt.

Kontemplation und Kampf

Männliche Energie hängt mit Einsamkeit und Alleinsein zusammen - ich habe das bereits im Zusammenhang mit Johannes dem Täufer erwähnt. Wir brauchen die Freiheit, allein sein zu können. Wenn wir - wie die Pharisäer und Schriftgelehrten - ständig die Clique brauchen, mit dem herrschenden Bewusstsein übereinstimmen müssen, nie anders sein und nie alleinstehen können, um uns mit unseren eigenen Gedanken und Ängsten und mit unserer Einsamkeit auseinanderzusetzen, dann werden wir sicher keine wilden Männer. Deshalb hat männliche Energie etwas mit Selbständigkeit zu tun. Es ist etwas Wunderbares, wirklich selbständige Menschen zu treffen. Wenn man mit ihnen redet, bekommt man eindeutige und klare Antworten - und nicht nur Reaktionen.

Männliche Energie ist nicht nur passiv, sondern aktiv. Aktivität ist natürlich ein verbreitetes Klischee für Männlichkeit. Aber in solchen Verallgemeinerungen liegt ja oft auch etwas Wahres. Ich glaube deshalb, dass auf jeden Rückzug, den wir uns erlauben - und ich halte Rückzug für sehr wichtig -, ein „Zug vorwärts“, eine Konfrontation, ein aktives Engagement folgen sollte. Manche Leute verbringen ihr ganzes Leben damit, auf Meditationswochen und Einkehrtage zu fahren. Oft sind das Leute, die sich nirgendwo aktiv engagieren, die also nicht auftanken müssen, um wieder mehr geben zu können. Irgendwann wird so etwas zur reinen Nabelschau. Man redet davon, man sei auf der Suche nach Gott - in Wirklichkeit kann man auf diese Weise auch davonlaufen vor Gott. Es gibt überhaupt kaum einen erfolgreicheren Weg, Gott auszuweichen, als sich religiös zu betätigen, sich ständig mit frommen und heiligen Dingen zu beschäftigen. Unser Leben braucht die Balance zwischen Kontemplation und Kampf, wie es Roger Schütz nennt. Einsamkeit, Reflexion und Gebet sind wesentliche Voraussetzungen des geistlichen Lebens. Aber gleichzeitig ist Engagement nötig, ein Ort, wo ich mich aktiv auf die Realität einlasse. Es gibt Exerzitienmeister in Einkehrhäusern, die für ihre stillen Wochen nur Leute zulassen, die im aktiven Dienst stehen. Das empfinde ich als sehr sinnvoll. Denn über welche geistlichen Zusammenhänge muss ein Mensch reflektieren, der sich am aktiven Wirken des Geistes in der Welt gar nicht beteiligt? Wir dürfen Spiritualität nicht so missverstehen, als bestünde geistliches Leben darin, im Wald zu sitzen und an den Herrn Jesus zu denken. Das wäre eine Verleugnung der Inkarnation, der Weise, wie Jesus selbst gelebt hat. Jesus zog sich zurück zum Gebet, um dann wieder unermüdlich und aktiv da zu sein für die Menschen und ihre Bedürfnisse. Das Leben Jesu ist Tat und Engagement, er begibt sich in die weltlichen Sachzwänge hinein. Jesus war kein rein kontemplativer Mensch. Die Inkarnation selbst könnte als phallische, schöpferische, männliche Entscheidung Gottes bezeichnet werden. Wir brauchen den Blick nach innen, aber wir brauchen auch einen Kontext, Lebensumstände, in denen wir aktiv wirken. Wirkliche Veränderung von Menschen ereignet sich nicht auf Einkehrtagen (ich habe genügend gehalten, um das zu wissen), sondern in der Anwendung geistlicher Erfahrungen bei der Konfrontation mit den Alltagsrealitäten. Nicht Predigten bekehren Menschen, sondern Umstände. In der Regel denken wir uns nicht in eine neue Lebensweise hinein, sondern wir leben uns in eine neue Denkweise hinein. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit unserem Leben Situationen der Herausforderung stellen, wo wir nicht im Vorneherein die Kontrolle und die Lösungen haben, wo wir nicht als Sieger einziehen, wo wir vielleicht keine gute Figur machen. Unsere Mittelschicht weigert sich, das zu tun, und deshalb ist der mittelständische Stadtrand zum Ghetto geworden. Die Mittelschicht lebt in der Nachbarschaft von Menschen, die sich genauso kleiden, die gleichen Werte haben, dieselben Politiker wählen. Solche Menschen sind gleichsam geklont. Das ist nur scheinbar Freiheit. Aber wir merken nicht einmal, wie oberflächlich solches Leben ist. Es ist bequem, nichts zu tun, was Anstoß erregen oder wofür man ausgelacht werden könnte.

Männliche Energie bahnt Pfade, damit etwas Neues geschehen kann, gemeinsam mit dem Weiblichen. Ohne das weibliche Element wird das zur reinen Abenteuerlust ohne Tiefgang.

Meine eigene diesbezügliche Umwandlung hat in der Dritten Welt begonnen. Dort bin ich in Situationen und Umstände geraten, die mich gezwungen haben, die Wirklichkeit neu und anders zu sehen. Jeder Blickpunkt ist ein Blick von einem ganz bestimmten Punkt aus. Als Männer müssen wir - ebenso wie die Frauen - herausfinden: Was ist mein Blick-Punkt? Von wo aus betrachte ich die Welt? Wenn man in der Gesellschaft unten steht, dann sieht man die Welt einfach völlig anders, als wenn man oben steht. Das ist so offensichtlich. Ich verstehe nicht, weshalb wir das nie zuvor begriffen haben. Das ist keine marxistische Analyse, das ist schlicht und einfach die Wahrheit. Es ist offensichtlich, dass Gastarbeiter in einem Ghetto eine andere Weltsicht haben als Industriebosse mit einer Villa im Grünen. Wenn wir selbst zu den Privilegierten gehören, dann ist es wichtig, dass wir ab und an unser Ghetto verlassen um zu begreifen, dass es noch eine andere Welt und eine andere Weltsicht gibt als unsere. Auch die Welt der Unterprivilegierten mit ihrem Zynismus und Fatalismus ist nicht alles. Auch das kann eine Falle sein. Jedenfalls besteht die Gefahr, dass der Reiche mit der Villa Gefangener eines naiven Optimismus ist. Wo immer wir sind, wir können Gefangene sein - anders ausgedrückt: wir können vor Gott davonlaufen. Das falsche Ego tut alles, um sich nicht verändern zu müssen, um sich abzuschirmen. Das Ego wird alles auf sich nehmen und die unglaublichsten Verrenkungen machen, um nur eines zu vermeiden: sich selbst zu verändern. C. G. Jung sagt: Bei dem Versuch, notwendige Veränderungen zu vermeiden, fügt sich der Neurotiker wesentlich mehr Schmerzen zu als die, die durch notwendige Veränderungen verursacht würden. Ich bin vielen Menschen begegnet, die sich auf einen beschränkten Horizont zurückgezogen haben - auf sich selbst, ihre Familie, ihre Kirche - um nicht erwachsen werden zu müssen.

  • Richard Rohr / Der wilde Mann, 1989

Kontemplation

Ganz in seinem Element

Es ist eine Binsenweisheit: Ein Fisch kann im Wasser nicht ertrinken, er ist in seinem Element. Ein Vogel kann in der Luft nicht abstürzen, er ist in seinem Element. Er ist getragen von dem, was ihn umgibt. Und der Mensch? Was trägt ihn? Wann ist der Mensch in seinem Element? Nie so wie in der Liebe. Wenn er sich lieben lässt, wenn er Gott glaubt und sich ihm anvertraut, dann ist er ganz in seinem Element. „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir”, sagt Paulus (Apg 17,28). Da sind wir so frei wie ein Fisch im Wasser, wie ein Vogel in der Luft. Der Grundsatz des christlichen Glaubens lautet: Du bist von Gott geliebt! Descartes hat am Beginn der Neuzeit gesagt: Cogito, ergo sum – Ich denke, also bin ich. Bei allem Respekt vor dem Denken sagen Christen das anders: Amor, ergo sum – Ich bin geliebt, also bin ich. Das geht über das Denken hinaus. Das ist der letzte Grund unserer Christen- und Menschenwürde. In der Übung der Kontemplation wird sich der Mensch „seines Elementes“ bewusst: Der Präsenz Gottes, die trägt.

  • Paul Burtscher

Hier wo man steht

Den Jünglingen, die zum erstenmal zu ihm kamen, pflegte Rabbi Bunam die Geschichte von Eisik Sohn Jekels in Krakau zu erzählen. Dem war nach Jahren schwerer Not, die sein Gottvertrauen nicht erschüttert hatten, im Traum befohlen worden, in Prag unter der Brücke, die zum Königsschloß führt, nach einem Schatz zu suchen. Als der Traum zum drittenmal wiederkehrte, machte sich Eisik auf und wanderte nach Prag. Aber an der Brücke standen Tag und Nacht Wachtposten, und er getraute sich nicht zu graben. Doch kam er an jedem Morgen zur Brücke und umkreiste sie bis zum Abend. Endlich fragte ihn der Hauptmann der Wache, auf sein Treiben aufmerksam geworden, freundlich, ob er hier etwas suche oder auf jemand warte. Eisik erzählte, welcher Traum ihn aus fernem Land hergeführt habe. Der Hauptmann lachte: »Und da bist du armer Kerl mit deinen zerfetzten Sohlen einem Traum zu Gefallen hergepilgert! Ja, wer den Träumen traut! Da hätte ich mich ja auch auf die Beine machen müssen, als es mir einmal im Traum befahl, nach Krakau zu wandern und in der Stube eines Juden, Eisik Sohn Jekels sollte er heißen, unterm Ofen nach einem Schatz zu graben. Eisik Sohn Jekels! Ich kann‘s mir vorstellen, wie ich drüben, wo die eine Hälfte der Juden Eisik und die andre Jekel heißt, alle Häuser aufreiße!«

Und er lachte wieder. Eisik verneigte sich, wanderte heim, grub den Schatz aus und baute das Bethaus, das Reb Eisik Reb Jekels Schul heißt.

»Merke dir diese Geschichte«, pflegte Rabbi Bunam hinzuzufügen, »und nimm auf, was sie dir sagt: daß es etwas gibt, was du nirgends in der Welt finden kannst, und daß es doch einen Ort gibt, wo du es finden kannst.«

Auch dies ist eine uralte Geschichte, uns aus verschiedenen volkstümlichen Literaturen bekannt, aber von chassidischem Munde wahrhaft neu erzählt. Sie ist nicht bloß äußerlich in die jüdische Welt verpflanzt, sie ist von der chassidischen Melodie, in der sie erzählt worden ist, umgeschmolzen worden, und auch dies ist noch nicht das Entscheidende: das Entscheidende ist, daß sie wie durchsichtig geworden ist, und eine chassidische Wahrheit scheint aus ihr hervor. Es ist nicht eine »Moral« angehängt worden, vielmehr hat der Weise, der sie neu erzählt hat, endlich ihren wirklichen Sinn entdeckt und offenbar gemacht.

Es gibt etwas, was man an einem einzigen Ort in der Welt finden kann. Es ist ein großer Schatz, man kann ihn die Erfüllung des Daseins nennen. Und der Ort, an dem dieser Schatz zu finden ist, ist der Ort, wo man steht.

Die meisten von uns gelangen nur in seltenen Augenblicken zum vollständigen Bewußtsein der Tatsache, daß wir die Erfüllung des Daseins nicht zu kosten bekommen haben, daß unser Leben am wahren erfüllten Dasein nicht teilhat, daß es gleichsam am wahren Dasein vorbei gelebt wird. Dennoch fühlen wir den Mangel immerzu, in irgendeinem Maße bemühen wir uns, irgendwo das zu finden, was uns fehlt. Irgendwo in irgendeinem Bezirk der Welt oder des Geistes, nur nicht da, wo wir stehen, da, wo wir hingestellt worden sind - gerade da und nirgendwo anders aber ist der Schatz zu finden. Die Umwelt, die ich als die natürliche empfinde, die Situation, die mir schicksalhaft zugeteilt ist, was mir Tag um Tag begegnet, was mich Tag um Tag anfordert, hier ist meine wesentliche Aufgabe und hier die Erfüllung des Daseins, die mir offen steht.

  • Martin Buber / Der Weg des Menschen

Ich suche nicht - ich finde

Suchen - das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuem. Finden - das ist das völlig Neue!

Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!

Die Ungewißheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewißheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht - menschlich beschränkt und eingeengt - das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen: Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

Der Weg des Menschen

Der archimedische Punkt, von dem aus ich an meinem Orte die Welt bewegen kann, ist die Wandlung meiner selbst.

  1. SELBSTBESTIMMUNG: Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Gen 3,9
  2. DER BESONDERE WEG: Was ist das Besondere an meinem Weg?
  3. ENTSCHLOSSENHEIT: Bin ich eine Einheit aus Leib und Geist?
  4. BEI SICH BEGINNEN: Schaffe ich zuerst mich zurecht?
  5. SICH MIT SICH NICHT BEFASSEN: Bin ich ein dienendes Glied in der Schöpfung Gottes?
  6. HIER WO MAN STEHT: Kann Gott bei mir wohnen?
  • Martin Buber / Der Weg des Menschen

Erleuchtung von innen

Rechter Gänger ist ohne Gängelung und Vergehen / Rechter Sprecher ist ohne Widerspruch und Versprechen / Rechter Rechner ist ohne Rechenkunst und Berechnung / Rechter Schließer hütet ohne Schlüssel und Verschluss / und doch kann niemand eindringen.

Rechter Binder fesselt ohne Band und Knoten / und doch kann sich niemand entziehen. Also der Weise: sein Helferwille umschließt alles / ist nie unschlüssig und verschließt sich keinem. Seine Gelassenheit duldet alles / ist nie lässig und verachtet und verlässt keinen. Von innen erleuchtet / leitet er alle zum Licht.

Darum ist der Weise der Unweisen Lehrer / und der Unwissende des Weisen Werkzeug. Wer den Lehrer nicht achtet / wer das Werkzeug nicht liebt / verkennt und verfehlt den Heim-Weg zum Tao / zum Geheimnis der Erleuchtung.

  • Lao-Tse / Tao Te King, mit Erläuterungen von K.O.Schmidt, Kap. 27

Der Weg ist das Ziel

Der WEG hat kein Ziel, bei dem man ankommt. Er ist in sich selber das Ziel. Und wenn der Mensch auch anfänglich in der Vorstellung lebt, doch einmal irgendwo ankommen zu können, so erkennt er, wenn er vorankommt, dies eines Tages daran, dass das vermeintliche Ziel immer ferner rückt, bis er einmal begreift, dass er, wenn er im Fortschreiten bleibt, in der unbedingten Bewegung weitergehender Verwandlung schon am Ziel ist. Ist er eingemündet in die ewige Bewegung, dann zieht in ihn tiefe Ruhe ein. Die Vorstellung eines Zieles, bei dem man ankommt, gehört der Welt des gegenständlich fixierenden Ich an, dessen Herrschaft zu überwinden, d. h. auf zugeben, die erste Aufgabe auf dem Weg ist.

Es gibt zwei Arten der Stille: die Stille des Todes, wo nichts sich mehr bewegt, und die Stille des Lebens, wo nichts mehr die Bewegung der Verwandlung aufhält.

  • Karlfried Graf Dürckheim / Der Ruf nach dem Meister, Seite 88

Verbindungen